Hochschule ist Lebensraum

In den letzten Jahren war eine zunehmende Umgestaltung der Hochschulen zu beobachten. Studierende werden nicht mehr als Teil der Hochschule betrachtet, sondern als Kunden, die Wissen kaufen (und dafür auch bezahlen). Unter dem Deckmantel angeblich alternativloser „Reformen“ wird ein System umgesetzt, in dem jeder mit einem Konkurrenten in Wettbewerb stehen soll: Studierende konkurrieren mit ihren Kommilitonen um Studienplätze, Stipendien und Arbeitsplatzangebote; Professoren konkurrieren um öffentliche oder private Forschungsmittel und die Universitäten um einen wie auch immer gearteten „Exzellenz“-Status. Zynischerweise wird dieser andauernde Konkurenzzwang auch noch unter Labels wie „Hochschulfreiheit“ oder „Autonomie“ eingeführt.

Diese Veränderungen sind jedoch kein Schicksal, dass unabwendbar über die Universitäten und die Gesellschaft gekommen ist, sondern die Ergebnisse einer gezielten, politisch gewollten Umgestaltung unseres Hochschul- und Bildungssystems – und als solche muss man sich auch mit ihnen auseinander setzten. Die Alternativlosigkeit, die von Befürwortern dieser Entwicklung gerne unterstellt wird, erweist sich bei näherer Betrachtung fast immer als rhetorischer Trick. All die „Reformen“ und Initiativen, die den Studierenden das Leben schwer machen, wurden mit klaren Zielen eingeführt – und sie können auch wieder zurückgenommen werden.

Nachdem die Hochschulen seit Jahrzehnten von öffentlicher Seite unterfinanziert sind, bleibt ihnen häufig keine andere Wahl als zusätzliche Mittel aus der Wirtschaft anzuwerben. Man sollte sich aber nicht der Illusion hingeben, die Geldgeber würden dafür keine Gegenleistungen erwarten: der Preis für diese Drittmittel reicht von Werbung in den Gängen bis zur Einflussnahme auf Forschungsschwerpunkte. Wenn die Geldgeber zu großen Einfluss auf die Inhalte von Forschung und Lehre erhalten, kann dies sowohl für Universitäten als auch für die ganze Gesellschaft verheerende Folgen haben.

Einige Lobbygruppen und wirtschaftsnahe „Think-Tanks“ (wie das zur Bertelsmann-Gruppe gehörenden Centrum für Hochschulentwicklung) vertreten in der öffentlichen Diskussion die Ansicht, Hochschulen müssten wie Unternehmen geleitet werden. In der Praxis bedeutet das, dass jede Entscheidung sich in erster Linie an wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu orientieren hat und dass sich alle Teile der Universität einer ständigen Kosten-Nutzen-Analyse stellen müssen.

Wir von FACHWERK glauben nicht, dass dieser Weg der einzig mögliche ist: Es muss auch in Zukunft möglich sein, Bildung nicht nur als Ware zu begreifen. Die Studierenden müssen sich nicht zu „Kunden“ oder „Bildungskonsumenten“ degradieren lassen, und die Hochschulen müssen nicht zu Absolventenfabriken verkommen.

Treffen

Wir treffen uns normalerweise zum 1. Café Freiraum im Monat auf . Der 2. Termin ist flexibel.

  • 14.5. 17:00 @ AStA
  • danach Pizza im Havana
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