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Tag der Lehre 2025

Tag der Lehre 2025

Am 19.10.25 fand erneut der Tag der Lehre an der TU Darmstadt statt. Neben den Berichten der Studiendekan:innen der Fachbereiche wurden dieses Jahr zum ersten Mal auch die Unite! Gastprofessuren mit anschließender Podiumsrunde vorgestellt. Außerdem stellte Prof. Dr. Tobias Seidl von der Hochschule für Medien Stuttgart in einer Keynote neue Perpektiven auf das Thema Zukunftskompetenzen vor.

Natürlich kamen auch die Studierenden zu Wort. Dieses Jahr durfte erneut unsere Senatorin Katrin Katzenmeier aktuelle Themen der Studierenden in Bezug auf Studium und Lehre an der TU vorstellen, der Fokus lag dabei auf Hybrider Lehre. Mit dieser Themenwahl stand Katrin in diesem Jahr nicht alleine. Auch aus den Reihen der Studiendekan:innen wurde Hybride Lehre thematisiert. Beispielsweise hielt der Studiendekan der Physik, Prof. Dr. Jens Braun in seinem Beitrag ein Plädoyer gegen digitale Leere in der Lehre oder auch „für mehr h in digitaler Leere“, nachzulesen hier.

Während Prof. Braun in seinem Plädoyer vor allem auf die Vorteile hybrider Lehre einging, legte Katrin den Fokus zuerst auf verschiedene Gründe, wieso Studierende nicht in Präsenz teilnehmen können und wieso sie deshalb auf hybride Formate und online verfügbares Material angewiesen sind. Besonders im Fokus stand dabei vor allem der Grund psychische Erkrankungen, unter denen viele Studierende leiden, die aber häufig beim Thema Barrierefreiheit in Bezug auf Lehrveranstaltungsteilnahme vergessen werden.

Die Rede von Katrin könnt ihr hier nachlesen:

Lieber Herr Warzecha, liebe Studiendekan:innen, liebe Studienkoordinator:innen, liebe an Lehre interessierte Personen,

ich darf Ihnen heute als studentische Senatorin und Referentin des AStA die Sicht der Studierenden auf die Lehre an der TU Darmstadt näher bringen. Und was soll ich sagen… An Themen, über die ich heute reden könnte, mangelt es mir nicht. In Zeiten des Hochschulpaktes 2026, einem allgemeinen Rechtsruck der Gesellschaft und einer Zivilklausel, die die Regierung als nicht nötig erachtet, gibt es viele Dinge, die uns Studierende über die Maßen belasten. Alleine in den letzten Wochen haben mich mehrere Studis aus den Geowissenschaften, dem Lehramt und den Sportwissenschaften um Rat und Hilfe gebeten. Aber über die drohenden Schließungen als Folge unserer schwarz-roten Regierung möchte ich heute nicht reden. Dafür habe ich am 26.11. um 12:30 Uhr vor dem alten Hauptgebäude bei der Beerdigung der Studiengänge noch genug Zeit.

Heute möchte ich mich einem Thema zuwenden, bei dem wir tatsächlich etwas ändern können: Die Hybride Lehre an der TU Darmstadt.

Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der Lehre ausschließlich in Präsenz hier am Campus stattfinden kann. Wir sind in den Lehrmethoden nicht mehr nur an Tafeln und Overhead-Projektoren gebunden. Durch den Einsatz digitaler Hilfsmittel können wir Barrieren abbauen und Möglichkeiten schaffen, an Lehrveranstaltungen teilzunehmen, selbst wenn man nicht vor Ort sein kann. Die Palette der digitalen Hilfsmitteln ist dabei breit und reicht von digitalen Materialien, über Veranstaltungsaufzeichnungen bis hin zu Livestreams direkt aus dem Hörsaal, die sogar Interaktion mit dem digitalen Publikum ermöglichen.

An dieser Stelle bekomme ich sehr häufig die Frage gestellt, wieso wir denn Menschen das Studium ermöglichen sollen, die nicht vor Ort sind. Wir sind doch schließlich eine Präsenzuni!

Nun, das mag stimmen, wir sind nicht die Fernuni Hagen. Trotzdem gibt es unzählig viele Gründe, warum Studierende der TU Darmstadt nur eingeschränkt oder zeitweise gar nicht hier vor Ort sein können. Ein paar der Gründe möchte ich Ihnen hier einmal erläutern.

Grund Nummer eins: Erwerbstätigkeit
Mittlerweile muss ein Großteil der Studierenden neben ihrem Studium arbeiten gehen, um sich die steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten leisten zu können. Die wenigsten Jobs sind so flexibel, dass sie sich zu 100% mit einem Studium vereinbaren lassen. Also steht man als Studi vor der Entscheidung: Schlechte Noten und aufwendiges Selbststudium aufgrund von fehlendem Lernmaterial oder wieder nur Nudeln mit Ketchup für den Rest des Monats?

Grund Nummer zwei: Care Arbeit
Ob es nun das kranke Kind zuhause ist oder die Mutter, die gestürzt ist und deswegen Hilfe im Haushalt benötigt. Für unsere Angehörigen sind wir da. Auch wenn wir deshalb die Vorlesung verpassen, in der der Stoff für die Klausur nächste Woche besprochen wird. Wir sind froh, wenn es nur eine Vorlesung ist, die wir aufholen müssen. Dass Studierende länger ausfallen, da sie ihre Angehörigen unterstützen müssen, ist aber leider Realität. Und diese Studierenden unterstützt niemand dabei, den verpassten Stoff wieder aufzuholen.

Grund Nummer drei: Fehlende Visa
Ich nehme an, alle Fachbereiche mit einem englischsprachigen Studiengang können ein Lied davon singen, wie schwer es sein kann, ein Visum zu erhalten. Unzählige internationale Studierende müssen wertvolle Studienzeit untätig in ihrer Heimat absitzen, da es bürokratische Engpässe gibt und das rechtzeitige Ausstellen eines Visums nicht möglich ist. Wenn sie zwei, drei oder noch mehr Monate nach Beginn des Semesters dann endlich nach Deutschland kommen können, können sie das Semester aber auch direkt abschreiben. Der Stoff ist nicht mehr aufholbar, wenn es keinerlei Aufzeichnungen oder Material der Lehrveranstaltungen gibt, die verpasst wurden.

Grund Nummer vier: Psychische Erkrankungen
Ein Thema, das am liebsten totgeschwiegen wird. Diese unsichtbaren Erkrankungen, die ja nur im eigenen Kopf existieren… Für viele Studierende gehören sie mittlerweile zum Alltag. Depressionen, Angsstörungen, Autismus… Psychische Erkrankungen treten in unzähligen Ausprägungen auf. Aber keine davon ist angenehm und sie alle erschweren das Studium immens. Denn ich kann Ihnen versichern, eine Panikattacke im Hörsaal, weil ich durch die Anzahl an Gerüchen und Geräuschen Reizüberflutet bin, ist alles andere als angenehm. Und direkt danach wieder durchstarten zu müssen, weil eine Abgabe ansteht… Nun, da bleibe ich doch lieber zuhause und quäle mich durch unverständliche Lehrbücher, um mein Studium wenigstens irgendwie abschließen zu können ohne regelmäßig im Krankenhaus zu landen, da die wenigsten Menschen wissen, wie sie anderen während einer Panikattacke helfen können.

Ich könnte diese Aufzählung an Gründen endlos fortsetzen. Aber das wichtigste ist: All diesen Menschen ist ein Studium an der TU Darmstadt aktuell nur mit großer Anstrengung und noch viel größeren Hürden möglich. Und das liegt nicht daran, dass sie faul sind oder nicht in die Uni kommen wollen. Nein. Grund sind äußere Umstände, auf die wir keinen Einfluss haben!

Wieso erzähle ich Ihnen das so ausführlich?

Leider lehnen viele Dozierende hybride Lehrformate immer noch vehement ab. Ihre Argumente reichen von „Das ist mir alles viel zu viel Aufwand“ bis hin zu „Hybride Lehre macht alles schlechter!“ 

Den Aufwand kann man auf einer technischen Ebene vielleicht noch verstehen. Unsere Hörsäle und Seminarräume sind aktuell nicht dafür ausgestattet, ein interaktives Liveformat einer Lehrveranstaltung anzubieten. Aber daran wird gearbeitet. Ich weiß von mehreren Menschen, die aktuell daran beteiligt sind, unsere Hörsäle zu modernisieren. Und auch für Seminare und Übungen gibt es bereits mobiles Equipment bei der HDA oder dezentral an einzelnen Fachbereichen, um digitale Teilnahme zu ermöglichen. Natürlich ist ein fest installiertes System, bei dem ich nur einen Knopf drücken muss, angenehmer, aber auch jetzt schon ist Hybride Lehre keine Raketenwissenschaft. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche, ich bin Physikerin.

Das andere Argument, dass hybride Lehre alles schlechter mache… Es tut mir leid, aber das ist Schwachsinn! Natürlich kann man ein so schlechtes Konzept entwickeln, dass dadurch sowohl die online Lehre scheitert, als auch die Präsenz-Lehre leidet. Aber wenn wir nur mal den Weg des geringsten Widerstands betrachten – eine einfache Aufzeichnung einer Lehrveranstaltung – dann kann hybride Lehre das Studium nur besser machen. Denn es eröffnet jenen Studierenden, die nicht mit Ihnen im Hörsaal sitzen können, die Möglichkeit, ihr Studium zu meistern und in einem Themengebiet zu Expert:innen ausgebildet zu werden, welches sie sich ausgesucht haben.

Natürlich kann und sollte man über reine Veranstaltungaufzeichnungen hinausgehen. Denn ein Studium lebt von Partizipation. Sie wünschen sich völlig zu recht die Mitarbeit der Studierenden. Und auch die Studierenden wollen und brauchen die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Dass das auch im hybriden Raum funktioniert, zeigt die Lehrveranstaltung, die heute Abend bei der Athenepreisverleihung mit dem Sonderpreis „Digitale Lehre“ ausgezeichnet wird. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber die Evaluation hat deutlich gezeigt, dass die Studierenden von dem entwickelten hybriden Konzept profitiert haben. Schon alleine aus dem Grund, da es sich um eine Serviceveranstaltung an der Stadtmitte handelt und ein Campuswechsel innerhalb von 10 Minuten, um rechtzeitig zur nächsten Veranstaltung an der Lichtwiese zu sein, leider aktuell noch nicht im Bereich des möglichen liegt. Und dabei liegen die zwei Campi immerhin noch in der gleichen Stadt. 

Denken wir nur mal an unsere RMU-Studiengänge. Erst im September haben wir im Senat mit dem Particle Accelerator Science Master den ersten Studiengang mit allen drei Kooperationspartnerinnen verabschiedet. Auf dem Papier finde ich das eine hervorragende Idee, die fachlich sehr viel mehr Möglichkeiten bietet, als das Angebot einer Universität alleine. Aber wie soll das studierbar sein, wenn zwischen der Physik in Darmstadt und der Physik in Frankfurt ein anderthalbstündiger Weg liegt, bei dem ich einen signifikanten Teil der Strecke auf die Deutsche Bahn und deren Pünktlichkeit angewiesen bin?

Auch hier bietet hybride Lehre eine Lösung, denn selbst die S6 nach Frankfurt hat mittlerweile WLAN.

Ich denke, ich habe genug geredet. Deshalb möchte ich abschließend nur noch eine Bitte an Sie richten:

Reden Sie in Ihren Fachbereichen über die Möglichkeiten hybrider Lehre. Lehnen Sie diese nicht kategorisch ab, sondern probieren Sie es aus. Und wenn Sie nicht weiterkommen, reden Sie mit anderen. Tauschen Sie sich aus. Holen Sie sich Feedback von den Menschen der eLearning AG der HDA. Oder fragen Sie direkt uns Studierende, was wir uns wünschen und was wir brauchen. Sie müssen das Rad nicht neu erfinden und die Studierenden werden es Ihnen Danken!